Februar 2001

Neues Schulungsfahrzeug für ZAWM Eupen

Innovative Aus- und Weiterbildung von Kfz-Mechaniker
Das Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes in Eupen verfügt seit kurzem über ein hochmodernes Schulungsfahrzeug, das die Ausbildung im Kfz-Bereich optimieren soll.

Es handelt sich dabei um einen VW New Beetle, den das ZAWM über die Volkswagen Coaching GmbH direkt aus Wolfsburg bezogen hat. Auffälligste Merkmale des knuffigen VWs: Das Lenkrad sitzt am »rechten Fleck«, die Nummernschilder sucht man vergeblich. »Das Fahrzeug darf nur zu Schulungszwecken verwendet werden. Eine Zulassung auf öffentlichen Straßen ist laut Rahmenkaufvertrag untersagt«, erklärt Gino Decoster, Kfz-Fachlehrer und Projektleiter beim ZAWM Eupen.

Bedeutender sind jedoch die unter der Haube verborgenen Details: Der rechtsgelenkte Beetle ist gespickt mit hochmoderner Technik. Dazu zählen Sicherheitseinrichtungen wie ABS, Servolenkung, Front- und Seiten-Airbag sowie Komfortsysteme wie Sitzheizung, Klimaanlage, elektrische Fensterheber und Schiebedach etc.



Fehler-Simulation
Wie erfolgt die Überprüfung eines ABS-Systems? Woran kann es liegen, wenn ein mit Wegfahrsperre ausgerüstetes Fahrzeug nicht mehr startet? Solchen und ähnlichen Fragen können die ZAWM-Schüler fortan praxisbezogener nachgehen. »Das Schulungsfahrzeug bietet dem ZAWM verbesserte Möglichkeiten, moderne Fahrzeugtechnologie anschaulich zu vermitteln. So können beispielsweise Fehler eingebaut werden. Anhand eines Prüfplans wird die logische Vorgehensweise bei der Einkreisung dieser simulierten Fehler aufgezeigt«, schildert Gino De Coster den pädagogischen Nutzwert des Fahrzeugs.

Die Kraftfahrzeug-Branche kennzeichnet sich europaweit durch einen rasanten technologischen Wandel. Im Bestreben, auf dem Gebiet der Kfz-Ausbildung mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, setzt das ZAWM auch auf eine enge Kooperation mit den mittelständischen Betrieben.

»Gute Kontakte zu den hiesigen Kfz-Werkstätten sind für uns von enormer Bedeutung. Die Werkstätten können uns Dokumentationen wie Schaltpläne und Prüfanleitungen sowie Diagnosegeräte zur Verfügung stellen. So ist beispielsweise zur Prüfung der Motorregelung oder des ABS-Systems unseres Beetles ein Original-VW-Diagnosegerät erforderlich«, erläutert Decoster.

Doppelter Einsatz
Der Beetle wird folglich bei den praktischen Übungen zum Einsatz kommen. Dies sowohl in der Lehrlings- und Meisterausbildung als auch im Rahmen des europäischen Projektes »Diagnosetechnik im Kfz-Bereich«.

Dieses Interreg-Projekt wurde vor dem Hintergrund der rasanten technischen Entwicklung rund ums Auto und der daraus resultierenden Komplexität der Wartungs- und Instandsetzungsaufgaben initiiert.

Diagnose-Systeme
Die Kraftfahrzeughersteller versuchen, die hiermit verbundene Herausforderung zum Teil durch gesteigerte technische Zuverlässigkeit, zum Teil durch den Einsatz von Diagnose-Systemen und entsprechenden Schulungen in ihren Vertragswerkstätten zu begegnen.

Gegenwärtig sind solche Diagnose-Systeme in der Lage, etwa 80 Prozent der Fehlerursachen erfolgreich zu identifizieren. In den verbleibenden 20 Prozent der Fälle werden die Fehlerursachen mit Hilfe komplexer messtechnischer Verfahren identifiziert, die einen verhältnismäßig hohen Ausbildungs- und Erfahrungsstand des zuständigen Kfz-Mechanikers voraussetzen.

Hier setzt das Diagnose-Projekt den Hebel an. Vor allem die Mitarbeiter der Freien Werkstätten, die in der Regel weder herstellerspezifische Diagnose-Systeme erwerben, noch die von den Herstellern angebotenen Schulungen besuchen können, sollen für die Verwendung der neuen Technologien im Bereich der Kfz-Technik sensibilisiert werden.

Auch hier soll der Beetle zu der Befähigung beitragen, die im Rahmen von Fahrzeugsystemen auftretenden Fehler mit Hilfe von Schaltplänen und dem richtigen Umgang mit Messgeräten zu diagnostizieren. Das Schulungsfahrzeug sei in jedem Fall ein wertvolles Instrument zur Optimierung der mittelständischen Ausbildung im Kfz-Bereich, so Gino Decoster. 

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