Internationaler Meisterkurs
Neue Chancen für junge Meister durch europäische Zusammenarbeit
Die gewaltige Pionierleistung einiger visionärer Menschen hat in der
Euregio wieder einmal für ein Novum in der europäischen Geschichte
gesorgt: Erstmalig wurde ein Meisterkurs grenzüberschreitend
durchgeführt und vor einem internationalen Prüfungsgremium zum
Abschluss gebracht. Beteiligt an dieser Leistung waren das Zentrum für
Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes (ZAWM) in Eupen, die
Deutschsprachige Gemeinschaft, die Handwerkskammer zu Köln, die
Gewerblichen Schulen II der Stadt Aachen, die Stichting Hout &
Meubel aus Woerden (NL), sowie das Arcus-College aus Heerlen mit
Unterstützung der EG im Rahmen des Projektes Leonardo da Vinci.
Wie der Direktor des ZAWM, Thomas Pankert, auf einer Pressekonferenz in
Anwesenheit von Minister Karl-Heinz Lambertz erklärte, hätte man sich
zu Beginn des Projektes vor fünf Jahren nicht träumen lassen, dass die
Realisierung in dieser verhältnismässig kurzen Zeit möglich sei. Schier
unüberwindliche Hürden in Form verschiedener Rechts- und
Verwaltungsvorschriften hätten sich aufgetürmt, und sicher wäre man
heute noch zu keinem Ergebnis gekommen, hätte man nicht in den
zuständigen Institutionen der drei Länder engagierte und
unbürokratische Mitarbeiter gefunden, die den Mut zu neuen Wegen und
innovativen Entscheidungen gehabt hätten. Triebfeder sei dabei zum
einen der Wunsch nach gemeinsamen Berufsabschlüssen zur Erschliessung
des grenzüberschreitenden Arbeitsmarktes gewesen und zum anderen der
Wunsch, die leider immer noch bestehende Unkenntnis der Systeme in den
Nachbarländern zu beseitigen. Bei den Partnern im Europäischen
Bildungswerk habe man dabei offene Türen eingerannt und sich schnell
auf das Pilotprojekt eines Meisterkurses für die Berufsgruppe der
Raumausstatter festgelegt.
Meisterbriefe in 3 Ländern
Durch die Erstellung der Rahmenpläne in der Euregio und die Festlegung
der vier Prüfungsteile Fachkunde, Fachpraxis, Betriebsführung und
Arbeitspädagogik vor einer internationalen Kommission habe man
sicherstellen können, dass die jungen Meister für die erfolgreiche
Absolvierung nur des einen Kurses und der einen Prüfung die
Meisterbriefe sowohl für Belgien als auch für Deutschland und Holland
erhielten, was in einer Zeit, in der immer noch die
grenzüberschreitende Anerkennung von Meisterbriefen mit höchsten
Schwierigkeiten verbunden ist, ein absolutes Novum und eine grossartige
Pionierleistung darstellt. Am Ende konnten sich so 7 Raumausstatter und
–ausstatterinnen über den erfolgreichen Abschluss freuen, der sie nun
berechtigt, sich als Meister und Existenzgründer in allen drei Ländern
niederzulassen. Modellhaft wurde von den Autoren des Projektes auch
bereits ein „Europäisches Meisterdiplom“ entworfen und verliehen, das
jedoch noch keine Rechtswirksamkeit beinhaltet.
Grundlagen
Natürlich wollte man mit diesem Projekt auch Weichen für die Zukunft
stellen, und daher war es äusserst wichtig, die Rahmenpläne und
Unterrichtsmaterialien nicht nur zu erproben sondern auch zu
analysieren, um eine Basis für weitere Kurse zu schaffen. Zur
gemeinsamen Durchführung und Prüfung kam also auch die gemeinsame
Erstellung von zwischenzeitlich insgesamt 3 dicken Akten als
Arbeitsmaterial für die Dozenten kommender Betriebsführungskurse und
als Belege für die EG, die natürlich an den Ergebnissen und Erfahrungen
höchst interessiert ist. Der zweite internationale Meisterkurs mit neun
Teilnehmern hat im Jahre 1999 bereits die fachtheoretischen und
fachpraktischen Prüfungen abgelegt.
Bereicherung
Auch die Vertreter der Partner, Uwe W. Büttner vom ZAWM, Hermann-Josef
Schmidt von der Handwerkskammer zu Köln und Karl Winkels von den
Gewerblichen Schulen II der Stadt Aachen und gleichzeitig Vorsitzender
des Europäischen Bildungswerkes Âusserten sich trotz aller Arbeit und
Schwierigkeiten sehr positiv zum Projekt. Es sei schwierig aber auch
höchst interessant gewesen, sich mit den verschiedenen Vorschriften und
Gesetzen der drei Länder zu beschäftigen, sie zu übersetzen und sie
unterrichtsmässig aufzubereiten, so Uwe W. Büttner. Hermann-Josef
Schmidt sprach von einer grossen Bereicherung und Karl Winkels vertrat
die Auffassung, dass gerade im Handwerk Transparenz auch über die
Grenzen hinweg wichtig sei.
Normalität
Der zuständige Minister der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Karl-Heinz
Lambertz, forderte, dass das Ungewöhnlich dieses Projektes euregionale
Normalität werden müsse, denn in unserer Region sei Kompatibilität
Trumpf und die Hoffnung auf ein gesamtes Europa in dieser Hinsicht
leider nur begrenzt realistisch. Jedes Problem der Deutschsprachigen
Gemeinschaft sei oft zunächst ein Grenzproblem, und es koste auch ihn
sehr viel Zeit und Energie, diese besondere Situation den Europabeamten
in Brüssel deutlich zu machen, die oft dächten, in der Grenzregion
müsste doch eigentlich schon alles grenzüberschreitend und problemlos
laufen. Die Deutschsprachige Gemeinschaft hoffe nicht nur auf
Wiederholungen solcher Initiativen, sondern sei auch stets zur
Unterstützung und Eigeninitiative bereit.
Anerkennung
Direktor Thomas Pankert ergänzte, dass das Verfahren zur offiziellen
Anerkennung der erarbeiteten Rahmenstoffpläne laufe, und ein Regelwerk
für grenzüberschreitende Kurse ebenfalls in Arbeit sei. Im weiteren
Verlauf sei man durchaus auch für eine Einbeziehung der frankophonen
Regionen um Verviers und Lüttich offen, wozu ohnehin ein reger
Austausch und sehr gute Beziehungen bestünden. Für die Anfangsphase
habe man sich aus sprachlichen Gründen auf den deutschsprachigen Raum
beschränkt. Ein besonderer Dank ging in diesem Zusammenhang auch
nochmals an die Teilnehmer des ersten Kurses, denen organisatorisch und
sprachlich durchaus einiges an Flexibilität und Belastung zugemutet
worden sei.
Hoffnung
So bleibt unter dem Strich die Hoffnung, dass sich Europa zumindest auf
der Ebene der Euregio Maas-Rhein weiter positiv konkretisieren lässt.
Im Bereich des Arbeitsmarktes wäre dies sicherlich eine
zukunftsträchtige und mehr als wünschenswerte Perspektive. Solange
unsere Region aber über solch engagierte und couragierte Menschen
verfügt, dürfte dem auf Dauer kaum ein Hindernis standhalten. Und dies
darf man ruhig auch in Brüssel vernehmen.