Mittelständische Medienfachkraft (MMF)
1. Hintergrund des Projektes und Bedarf
Die Ergebnisse der Michel-Studie, die zum Gegenstand hat, die
Auswirkungen der Neuen Medien in Ostbelgien zu untersuchen, machen
deutlich, dass der steigende Qualifikationsbedarf durch den Einsatz
neuer Medien eine große Herausforderung an die Bildungseinrichtungen
der Deutschsprachigen Gemeinschaft stellt.
Laut Michel kann mit konkreten Maßnahmen zur Optimierung der Aus- und
Weiterbildung für Neue Medien ein entscheidender Engpass bei der
Implementierung der Neuen Medien vor allem in den kleinen und mittleren
Unternehmen in Ostbelgien beseitigt werden. In allen Teilstudien der
Untersuchung hat sich ein Defizit an geeigneten
Qualifizierungsangeboten sowie ein genereller Mangel an qualifizierten
Arbeitskräften als zentraler Engpassfaktor herausgestellt.
Die Neuen Medien haben nicht nur Einfluss auf die eigentlichen
Medienberufe selbst, sondern sie entwickeln sich mehr und mehr zur
Basistechnologie für die unterschiedlichsten Wirtschaftssektoren
("Anwenderbranche").
1.1 Der Druck- und Mediensektor kennzeichnet sich durch einen rasanten
technologischen Wandel. Die Auswirkungen der Neuen Medien auf diesen
Bereich bzw. die Prozess- und Produktinnovationen – bedingt durch den
Einsatz neuer Verfahren und Techniken – sind vielfältig:
Prozessinnovationen beispielsweise in den Bereichen vorlagengetreue
Bildbearbeitung, Farb- und Tonwertkorrekturen (Color-Management),
Bildkomposition, Datenvorbereitung für die Text-Bild-Integration und
den Druck; Produktinnovationen beispielsweise bei den Bewegtbildern,
CD-Rom, HTML, usw. Diese Innovationen ziehen sich auch in den Bereich
der Bild- und Tontechnik hinein, in dem die Digitalisierung und die
Integration anderer Medien eine nicht mehr fortzudenkende Bedeutung
erhalten hat.
Dieser Strukturwandel hat auf Ebene der Beschäftigten vor allem zwei
Folgen: Einerseits steigen die Qualitäts- und Technologieanforderungen
im Produktionsprozess und somit der Bedarf an (hoch)qualifizierten
Facharbeitern und Angestellten; andererseits droht Arbeitslosigkeit bei
weniger Qualifizierten.
1.2 Was die gesamte "Anwenderbranche" betrifft, ist dieser Prozess
vergleichbar mit der tief greifenden Veränderung von Produkten,
Produktionsabläufen und Qualifikationsanforderungen, die mit der
Einführung der Elektronischen Datenverarbeitung in den 70er und
80er-Jahren verbunden war.
Internet oder Intranet werden sich in der Kommunikation innerhalb der
Betriebe und untereinander durchsetzen und in zunehmendem Maße auch die
Geschäftsbeziehungen bestimmen. Multimedia-Produkte ersetzen bereits
heute in vielen Fällen Kataloge und Betriebsanleitungen und bieten bei
Fehlersuche menugesteuerte Flussdiagramme. Sie bieten ein großes Feld
an potenziellen innerbetrieblichen Weiterbildungsmöglichkeiten. Auch
mit Themen wie elektronischer Handel, Telearbeit, Teleservice müssen
sich die Betriebe in kurzer Frist auseinander setzen.
Ein Teil der Handwerksbetriebe ist bereits in die rechnergestützte
Kommunikation eingestiegen. Sie wird genutzt für die Abwicklung des
Zahlungsverkehrs, die Pflege von Kunden- und Lieferantenkontakten.
Zunehmende Bedeutung gewinnt aber auch die Informationsbeschaffung, das
Marketing und der Austausch von Dokumenten mit Behörden und Ämtern.
Bereits heute ist eine Multimedia-Präsenz z.B. in Form einer eigenen
Homepage, einer E-Mail-Adresse oder einer CD-Rom in vielen Branchen
Pflicht. Aber nur wenige KMU verfügen über ein eigenes
Internet-Angebot.
Zukunftstechnologien schaffen Arbeitsplätze. Sie erhöhen den Bedarf an
gut ausgebildeten Fachkräften. Das Wissen der Mitarbeiter ist der
wichtigste Bilanzposten der Zukunft. Die Qualifikationsanforderungen
für alle Beschäftigten nehmen zu. Das Arebitsplatzangebot für
Unqualifizierte schwindet dramatisch.
Für das Handwerk und die kleinen und mittleren Unternehmen ist es
unerlässlich, dass sie sich schnell genug anpassen und ihre Mitarbeiter
entsprechend auf die technologischen Neuerungen vorbereiten. Sie werden
ihrer Rolle als Stabilisator der Beschäftigung nur dann weiterhin
nachkommen können, wenn es gelingt, ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihre
Innovationspotenziale im Zuge der Globalisierung nicht nur zu erhalten,
sondern zu verstärken. Die kann nur gelingen, wenn KMU die
elektronischen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten in vollem
Umfang nutzen können – als Anbieter und als Anwender.
2. Zielsetzungen und Aktionsbereiche
Ziel der Maßnahme ist es, dem durch die Neuen Medien bedingten
Strukturwandel zu begegnen und die kleinen und mittleren Unternehmen in
Ostbelgien auf die zu erwartenden Neuerungen vorzubereiten. Die
Maßnahme richtet sich an die Zielgruppe des ZAWM, d.h. Auszubildende,
Arbeitnehmer von KMU, Selbstständige und Ausbilder. Durch den Erwerb
neuer Kompetenzen im Bereich der Informationstechnologie soll über die
Qualitätssicherung die Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittleren
Betriebe gesteigert werden, und somit langfristig dem Verlust von
Arbeitsplätzen vorgebeugt werden.
Dabei geht es um drei Schwerpunkte:
a. Qualifikation zur Bewältigung der neuen Technologien
b. Nutzung der neuen Technologien für die mittelständische Aus- und Weiterbildung
c. Überarbeitung der Berufsbilder in der
mittelständischen Aus- und Weiterbildung; gegebenenfalls Schaffung
neuer Ausbildungsberufe und –programme in enger Zusammenarbeit mit dem
IAWM
Durch die Maßnahme und die damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit soll
auch erreicht werden, dass die kleinen und mittleren Betriebe sich
prinzipiell für Ausbildung und Weiterqualifikation in den Neuen Medien
öffnen und die Mitarbeiter dementsprechend vorbereiten.
Aktionsbereiche:
2.1 Zielgruppe der Medienunternehmen
* Optimierung des Ausbildungsangebotes
* Optimierung und Erweiterung des Weiterbildungsangebotes
2.2 Zielgruppe der Anwenderunternehmen
* Weiterbildung der Beschäftigten
* Sensibilisierung und Weiterbildung der Führungskräfte (insbes. Mittelstand)
2.3 Ausbildung der Ausbilder
1. Inhalte
Das Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes in Eupen hat
bereits verschiedene Kontakte zu Aus- und Weiterbildungseinrichtungen
für Medien in Nordrhein-Westfalen sowie zur zuständigen Fachberaterin
des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Unter anderem besteht
eine Gastmitgliedschaft beim Bildungswerk der Druckindustrie Nordrhein
in Düsseldorf, mit dem eine Kooperation zur Weiterbildung für Betriebe
des Druck und Druckvorstufengewerbes besteht.
Im Rahmen des Projektes, welches sich über 18 Monate erstrecken soll,
betraut das Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes in
Eupen eine qualifizierte Person mit folgenden Aufgaben:
3.1 Optimierung des Ausbildungsangebotes
In Zusammenarbeit mit verschiedenen erfahrenen Aus- und
Weiterbildungsanbietern aus Nordrhein-Westfalen sowie der
entsprechenden Fachberaterin des Bundesinstituts für Berufsbildung
(BIBB) und dem IAWM möchte das ZAWM dringend erforderliche Anpassungen
der bestehenden Ausbildungsgänge für Werbezeichener, Werbemaler,
Fotografen, Fotosetzer, Drucker und Bild- und Tontechniker ausarbeiten
und den eventuellen Bedarf an neuen Programmen ermitteln. Ziel ist es,
die neuen Medien sowie die Grundlagen der Digitalisierung in alle
Ausbildungsgänge für Medien- und Kommunikationsberufe zu integrieren.
Dabei kann das ZAWM von den Erfahrungen der Kontaktpartner profitieren,
die in NRW bereits große Anstrengungen unternommen haben, um den KMU
aus den Bereichen Druck, Druckvorstufe, Werbung und Multimedia die
Möglichkeit zu eröffnen, in den dort neu geschaffenen, modular
konzipierten, Berufsbildern optimal auszubilden.
3.2 Optimierung des Weiterbildungsangebotes
3.2.1 Bedarfsanalyse
Ausgehend von dem ersten, bereits durch den ESF geförderten
Weiterbildungsprojekt im Druck- und Medienbereich, sind in enger
Zusammenarbeit mit der hiesigen Druck- und Medienindustrie der weitere
Bedarf an Qualifikation und Weiterbildung zu ermitteln und neue
Angebote zu entwickeln.
Auch für die Mitarbeiter der "Anwenderbranche" muss der genaue Bedarf an Weiterbildung ermittelt werden.
Darüber hinaus ist es erforderlich, die notwendigen infrastrukturellen
Voraussetzungen zu definieren. Die Anwendung der neuen Medien wird die
Arbeit in den Betrieben und im Ausbildungszentrum voraussichtlich stark
verändern. Für die dazu erforderlichen Schritte brauchen sowohl die
Betriebe als auch das Zentrum und seine Ausbilder die entsprechende
Begleitung und Schulung sowie ein fundiertes Infrastrukturkonzept, das
die bestehenden Möglichkeiten, wie EDV-Raum, Internet-Anschlüsse,
Schüler-PC’s analysiert und erforderliche Ergänzungen plant.
3.2.2 Entwicklung von neuen Angeboten
Auf Grund der Bedarfsanalyse geht es in einer zweiten Phase darum, noch
nicht vorhandene Weiterbildungsmodule, für die ein klarer Bedarf
besteht, zu entwickeln. Auch hier bietet sich eine Kooperation mit
anderen erfahrenen Weiterbildungsanbietern in anderen Regionen an.
Voraussichtlich sind Angebote in folgenden Bereichen zu entwickeln:
* Weiterbildungen für die Medienwirtschaft
* Weiterbildungen für Beschäftigte in Anwenderunternehmen
* Weiterbildungen für Führungskräfte in Anwenderunternehmen
* Weiterbildung für die Ausbilder in den einzelnen Bereichen
Vorgesehen im Rahmen des Projektes ist die Organisation von mindestens
20 Schulungs- oder Sensibilisierungsveranstaltungen (à jeweils 2
Stunden).
3.2.3 Sensibilisierung der KMU
Die Ergebnisse der Michel-Studie sowie eine gemeinsame Befragung der
IHK, des FOREM und des IAWM zum Thema "e-commerce" stellen klar den
starken Informationsmangel bei den KMU heraus. Information über Sinn
sowie Vor- und Nachteile der Neuen Medien (oder beispielsweise
e-commerce) tut Not.
Mit Hilfe der Maßnahme sollen vor allem die Führungskräfte der KMU, die
maßgeblich an strategischen Entscheidungen über Investitionen,
Neuorganisation und Umsetzung von Neuen Medien (inklusive
Personalschulung) im Unternehmen beteiligt sind, informiert und
sensibilisiert werden.
Viele neue Möglichkeiten entstehen, insbesondere im
electronic-commerce. Aber es besteht zugleich die Gefahr, dass gerade
die kleinen und mittleren Betriebe nicht ausreichend auf diese
Entwicklung vorbereitet sein werden. Deshalb muss man sich überlegen,
die Interessen dieser Zielgruppe zusammenzufassen und entsprechende
Vorbereitung anzubieten.
Vorgesehen im Rahmen des Projektes ist die Organisation von mindestens
20 Schulungs- oder Sensibilisierungsveranstaltungen (à jeweils 2
Stunden).
3.3 Ausbildung der Ausbilder
Die systematisierte Einführung der Neuen Medien in die Betriebe und in
das Ausbildungszentrum setzt die entsprechende Ausbildung und
Begleitung der Ausbilder voraus. Diese fundierte Qualifikation ist umso
wichtiger, als die Ausbilder eine Multiplikatorenfunktion haben. Im
Rahmen des Projektes sollen – möglicherweise in Zusammenarbeit mit
anderen Partnern - verschiedene Module zur Ausbildung der Ausbilder
entwickelt und durchgeführt werden.