Interreg II-Projekt
Das Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes hat im Januar
2000 in Zusammenarbeit mit anderen Partnern ein euregionales Projekt im
Kfz-Bereich gestartet.
Projektbeschreibung
I Hintergrund des Projektes
Die Kraftfahrzeug-Branche kennzeichnet sich europaweit durch einen
rasanten technologischen Wandel, welcher einen überproportionalen
Anstieg in der Komplexität der Wartungs- und Instandsetzungsaufgaben
mit sich bringt. Die Kraftfahrzeughersteller versuchen, die hiermit
verbundene Herausforderung z.T. durch gesteigerte technische
Zuverlässigkeiten, z.T. durch den Einsatz von Diagnose-Systemen und
entsprechenden Schulungen in ihren Vertragswerkstätten zu begegnen.
Gegenwärtig sind solche Diagnose-Systeme in der Lage, ca. 80 % der
Fehlerursachen erfolgreich zu identifizieren. In den verbleibenden 20 %
der Fälle werden die Fehlerursachen mit Hilfe komplexer meßtechnischer
Verfahren identifiziert, die einen verhältnismäßig hohen Ausbildungs-
und Erfahrungsstand des zuständigen Kraftfahrzeugmechanikers
voraussetzen. Im Gegensatz zu den markengebundenen Werkstätten können
die Freien Werkstätten in der Regel weder herstellerspezifische
Diagnosesysteme erwerben noch die von den Herstellern angebotenen
Schulungen besuchen. Nur mit entsprechendem Wissen über die
verschiedenen Fahrzeugsysteme, besonders der Sensorik und Aktorik und
mit Hilfe von Schaltplänen sowie dem richtigen Umgang mit Messgeräten
(Multimeter, Oszilloskop) sind sie in der Lage, Fehler am
Fahrzeugsystem zu identifizieren und zu beheben. Wie die Freien auf
diese Anforderungen reagieren und sie bewältigen, ist maßgeblich für
ihre künftige Existenz.
Es besteht daher Bedarf an Daten- und Informationssystemen sowie
Qualifizierungsressourcen für den Bereich Fehlerlokalisierung und
–identifizierung in komplexen mechatronischen Systemen. Dieser Bedarf
wird sich im Zuge der Modernisierung des Fahrzeugbestandes zunehmend
auf alle Mitgliedsländer der Europäischen Union erstrecken. Er besteht
in erster Linie für die freien Werkstätten, mit ihrer Bedeutung als
Preisregulativ, aber auch für Kraftfahrzeugmeister und –gesellen in den
Vertragswerkstätten, die vor allem in kritischen Fällen auf ein
holistisches, systemübergreifendes technisches Verständnis von allen
Aspekten der Kraftfahrzeugtechnik angewiesen sind.
Da Fachbücher oft nicht dem neuesten Stand der Technologien
entsprechen, müssen andere Informationsquellen erschlossen werden, die
es dem Dozenten und Ausbilder erlauben, seine Informationen und sein
Wissen über die Neuen Technologien zu aktualisieren, damit er diese
verstärkt in seine Schulungen einbinden kann. Der mit dem neuesten
Kenntnisstand ausgebildete Kfz-Mechaniker wird dann auch die wenigsten
Probleme haben, den Anforderungen der High-Tech-Werkstatt zu begegnen.
In Westeuropa gibt es ungefähr 160.000 unabhängige, nicht an Hersteller
gebundene Werkstätten mit insgesamt mehr als 600.000 Beschäftigten. Ihr
Marktanteil in Deutschland, Belgien und den Niederlanden beträgt etwa
50 Prozent aller Kfz-Betriebe. Zwei Drittel der Beschäftigten im
Kfz-Sektor arbeiten in freien Werkstätten. Weitere Zahlen und
Informationen dazu sind den beiden Artikeln in Anlage 1 zu entnehmen.
II Ziele
Zielsetzungen des Projektes
Das Projekt "Diagnosetechnik im Kfz-Bereich" verfolgt folgende Ziele:
* ein Daten- und Informationssystem aufbauen und
mittels Weiterbildungen zu den freien Werkstätten transferieren
* multimediale Qualifizierungsressourcen für den Bereich Kraftfahrzeug-Messtechnik entwickeln
* die Zielgruppe (i.e. Arbeitnehmer der freien, aber
auch der markengebundenen Werkstätten, Ausbilder und jugendliche
Auszubildende) für die Verwendung der Neuen Technologien im Bereich
Kfz-Technik sensibilisieren
* ein Netzwerk von Bildungseinrichtungen und Nutzern
(i.e. Lernende und KMU) der Kfz-Branche in der Euregio aufbauen und so
die Grundlage für eine strukturierte Zusammenarbeit in diesem Sektor in
der Euregio schaffen. Von dieser Plattform aus sollen weitere
gemeinsame Maßnahmen wie Ausbilderaustausch (train the trainers),
Lehrlingsaustausch, Antizipation des künftigen Qualifizierungs- und
Arbeitsmarktbedarfs und entsprechende arbeitsmarktgerichtete Maßnahmen
geplant und initiiert werden.
* Arbeitsplätze auf qualitativ hohem Niveau
herausbilden, indem Verbindungen zwischen den Bereichen berufliche Aus-
und Weiterbildung einerseits und Innovation und Neue Technologien
andererseits geschaffen werden
III Zielgruppe
* Mitarbeiter der Freien Werkstätten, aber auch
Mitarbeiter der markengebundenen Werkstätten sowie Arbeitsuchende
* Ausbilder
* Meisterkandidaten sowie Existenzgründer
* Umschüler
* Auszubildende in der Erstausbildung
im Sektor Kraftfahrzeugtechnik
IV Konzept und Organisation des Projektes
Zum Know-How-Aufbau werden Informationen und Daten einerseits von
Zulieferern und Herstellern, andererseits von den verschiedenen
Partnern eingeholt und aufbereitet. Diese sollen mittels der
entwickelten multimedialen Lernressourcen an die Nutzer (i.e. die
Werkstätten) weitergeleitet werden.
Ziel des Projektes ist, die freien Kfz-Werkstätten nicht nur auf die
hohen Anforderungen der Technik im Kfz-Bereich vorzubereiten, sondern
sie auch zu befähigen, die im Rahmen von Fahrzeugsystemen auftretenden
Fehler (Sensorik und Aktorik) mit Hilfe von Schaltplänen sowie dem
richtigen Umfang mit Messgeräten zu diagnostizieren. Um eine ständige
Anpassung der Lehrmaterialien an den neuesten Stand der Technik zu
gewährleisten, werden diese in multimedialer, internetfähiger Form
entwickelt.
Darüber hinaus soll interaktives Lernen ermöglicht werden:
* Vergleich der methodisch-didaktischen Ansätze bei
den Partnern und Ausarbeiten eines "best-practice" für interaktives
Lernen im Bereich "Kfz-Messtechnik"
* Entwicklung von CBTs (im Internet + CD-Rom)
* Aufbau eines Netzwerkes zwischen
Bildungseinrichtungen und Nutzern sowie Einrichtung einer
Internet-Plattform "Aus der Praxis für die Praxis". Diese Plattform
richtet sich einerseits an die Nutzer (Austausch in technischen
Fragen), andererseits an die Ausbilder in den verschiedenen betrieben
und Bildungseinrichtungen (technische Fragen, aber auch Austausch über
Entwicklungen, Ressourcen u.a. Kooperationsmöglichkeiten).
Das Lehrgangskonzept ist so gestaltet, dass zuerst im Rahmenkonzept ein
Überblick über die inhaltlichen Schwerpunkte gegeben wird. Im 2.
Schritt werden dann zu den einzelnen Themenkreisen Lernziele
beschrieben und zu diesen Lernzielen Empfehlungen für die methodische
Umsetzung gegeben. Die Teilnehmer sollen, ausgehend vom darbietenden
Lehrverfahren, über den Gruppenunterricht zum selbständigen Erarbeiten
eines Lernstoffes geführt werden. Der Unterricht wird durch den Einsatz
der CBTs unterstützt, welche erlauben, eine Vielzahl von
Arbeitssituationen aus der Praxis zu verdeutlichen und simulieren.
Neben der Vermittlung der technischen Funktionen sind jedoch typische
Fehlermöglichkeiten und die Durchführung von systematischen
Fehleranalysen anzusprechen. Die methodischen Hinweise und die
einbezogenen Medien sind dazu gedacht, Situationen zu strukturieren,
einen Überblick zu vermitteln, grundlegende Erkenntnisse zusammen zu
fassen oder als Checkliste zu dienen.
Ein Lehrgangsleitfaden beschreibt die Durchführung des Lehrgangs anhand
von Lernzielen. Er enthält das oben erwähnte Manuskript, die PowerPoint
Präsentationen, Animationen, Simulationen, zusätzliche
methodisch-didaktische Informationen für den Ausbilder sowie
Kopievorlagen für OH-Folien. Dieser Leitfaden wird nach der
pilotmäßigen Erprobung über das Internet als CD-Rom anderen
Bildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt.
V Projektpartner
Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes
Limburger Weg 2
B-4700 Eupen
Kreis Aachen – Amt für Kreisschulen und berufliche Bildung
Zollernstraße 22
D-52070 Aachen
Einrichtung: Berufskolleg des Kreises Aachen in Simmerrath/Stolberg
Im Römbchen 1
D-52152 Simmerath
Handwerkskammer Aachen – Berufsbildungs- und
Gewerbeförderungszentrum in Simmerath
Kranzbruchstraße 10
D-52152 Simmerath
Leeuwenborgh Opleidingen
Postbus 5280
NL-6130 PG Sittard
Centre de Formation aux Technologies de l’Automobile
Rue St-Nicolas 68
B-4000 Liège
VIZO-Centrum Hasselt
Gouverneur Verwilghensingel 40
B-3500 Hasselt
Innovam
In de Cramer 29
NL-6411 RS Heerlen
Unterstützt wird das Projekt durch die Gemeinschaftinitiative Interreg-II der EU, die Deutschsprachige
Gemeinschaft, das Land Nordrhein-Westfalen und EDUCAM