Symposium

am 17. 2. 2009 im ZAWM EUPEN
„Erhaltung der regionalen Fleischversorgung und deren notwendigen Strukturen in der Euregio MAAS-RHEIN“

Am 17. 2. 2009 veranstalteten die Metzgerinnungen der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der Handwerkskammer Aachen im Rahmen der Zusammenarbeit bei der Ausbildung im ZAWM EUPEN ein Symposium zur Erhaltung der regionalen Fleischversorgung und deren notwendigen Strukturen in der Euregio MAAS-RHEIN

Das Symposium vermittelte nach Einleitung, Referat und moderierter Diskussion deutlich, dass ein schnelles Handeln zum Fortbestand der Qualitäts-Fleischversorgung in der Euregio MAAS-RHEIN erforderlich ist. Die vorhandenen Strukturen für eine am Tierwohl orientierte Aufzucht und damit auch kurze regionale Tier-Transportwege sowie stressarme Schlachtung sind durch einen massiven, rücksichtslosen Verdrängungswettbewerb der ca. 5 Großschlachtbetriebe Deutschlands und derer Belgiens in höchster Gefahr.

Die Folge der Konzentrierung, ausgetragen auf dem Rücken der Tiere, durch Gefängnishaltung ohne Tageslicht, Bewegungsarmut (0,75qm pro Tier), ökologisch bedenkliche Gülle-Seen und Turbozucht, ist ein Wegbrechen regionaler, bäuerlicher Tierhaltung. Resultierend daraus ist der Wegfall regional typischer Rassen, reifefähiges Fleisch und kulinarischer Spezialitäten abzusehen. Zu befürchten ist eine fortschreitende Verarmung der Esskultur, ein wirtschaftlicher Einbruch qualitäts-orientierter Fleischer-Handwerksunternehmen und ein Wegfall an Kaufkraft, Arbeitsplätzen ein Imageverlust der Region.


Es wurden drei Arbeitsgruppen gebildet.

  1. Strategien zur Erhaltung und Aufrüstung der hiesigen Schlachthöfe und bäuerlichen Tierhaltung.
  2. Öffentlichkeitsarbeit Verbraucher und wirtschaftliche Vereinigung der Erzeugerkette vom Bauern bis zum Veredler.
  3. Vermarktungs-Kooperationen für typische Erzeugnisse der Euregio-MAAS-RHEIN.

Zahlen und Höhepunkte aus dem Referat von Dr. Reinhard von Stoutz, Deutscher Fleischerverband:

Das Referat orientierte sich am Leitbild des deutschen Fleischerhandwerks, moderiert durch Prof. Gottwald Schweisfurth-Stiftung

Welche Rolle spielt die Region im Leitbild?
1. Das Fleischerhandwerk lebt von der Region
2. Inhaber und Mitarbeiter sind in die Region integriert

Rohstoffbezug, Produktion, Verkauf = Region

Rohstoffbezug: Wettbewerbsvorteil durch räumliche und persönliche Nähe zur Landwirtschaft
Bauern und Fleischer natürliche Partner für den
respektvollen Umgang mit dem Leben
Die Qualität unseres reichhaltigen Produktsortiments beginnt beim Bauern. Unsere Nähe zur Landwirtschaft ist entscheidend für eine tiergerechte Haltung und Fütterung sowie für kurze Transportwege. Das Wohl des Tieres steht im Vordergrund. So können wir Geschmack, Fleischqualität und Frische mitbestimmen. Als handwerkliche Fleischer sind wir ehrliche Partner sowohl der Landwirte als auch der Verbraucher: faire Preise und natürliche, hochwertige Produkte!

Region: Wettbewerbsvorteil durch persönliche Mitgestaltung der Region
Fleischerhandwerk Vitalität für die Region
Unsere Kooperationen und Netzwerke mit Landwirten, Zulieferern, Kunden und Kollegen stärken die regionale Wirtschaft. Mit bester Aus- und Weiterbildung schärfen wir unser Profil und geben Mitarbeitern und dem Nachwuchs Perspektiven. Mit unseren soliden Betrieben vor Ort tragen wir wirtschaftliche, soziale und ökologische Verantwortung und gestalten den Markt. Wir treten selbstbewusst und aktiv auf. Als Repräsentanten eines starken Fleischerhandwerks engagieren wir uns für die erfolgreiche Zukunft unserer Branche. Kollegiales Miteinander prägt die Zusammenarbeit in Innung und Verband. Mit der individuellen Umsetzung des Branchenleitbilds geben wir der f-Marke ein Gesicht in unserer Region.

Woher kommt die Bedeutung der Region für das Fleischerhandwerk?
1.Wünsche und Erwartungen der Kunden
2.Sicherung des Rohstoffbezuges
3.Konzentration in Handel und Industrie
4.Verantwortung des Unternehmers für seine Umwelt

Unterschiede nach Produkten
höchste Werte beim Brot mit 90%
geringste Werte beim Wein mit 14%
80% wünschen Fleisch aus der Region
75% wünschen Wurst/Fleischerzeugnisse aus der Region

Wünsche der Kunden
1.Tierschutz
2.Stärkung der regionalen Wirtschaft/ heimischen Landwirtschaft
3.Frische
4.Vertrauen (bessere Qualität, gesünder, etc.)
5.Emotionale Identifikation mit der Region
Regional sehr unterschiedlich:
Schleswig-Holstein 93%
Sachsen Anhalt 67%
Bevorzugte Einkaufsstätte für Produkte aus der Region:
Fleisch: 64% Fleischer-Fachgeschäft
31% Lebensmitteleinzelhandel
Bereitschaft für Produkte, die garantiert aus der Region sind, mehr Geld auszugeben: 70%

Sicherung des Rohstoffbezugs
Eigenschlachtung geht zurück
(Auflagen, Kosten, Teilstückverfügbarkeit, etc.)
Starke Konzentration in der Schlachtindustrie
2003 noch 50% durch 9 Unternehmen
2006 über 60% durch 5 Unternehmen
Konzentration in der Rinder- und Schweinemast
Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel
Mögliche Folgen für das Fleischerhandwerk:
Geringe Wahlmöglichkeiten beim Fleisch
(z.B. nur Teilstücke, keine Hälften)
Geringer Einfluss auf die Qualität
Geringer Einfluss auf die Frische
Geringer Einfluss auf die Herkunft
(Regional evtl. nicht möglich)
Rückgang der Mastbetriebe in der Region
Deutlicher Imageverlust beim Verbraucher
(Abgrenzungskriterium zum LEH fehlt)
Vergabediktat durch Lebensmitteleinzelhandel möglich

Fazit: Die Erhaltung regionaler Versorgungsstrukturen ist sehr wichtig für das Fleischerhandwerk

Starke Betonung im Leitbild:
Nähe zur regionalen Landwirtschaft
Gestaltung der Region gefordert

Erhaltung regionaler Fleischversorgung wichtig, aber:
Finanzierung?
Kosten?
Ausreichend und die richtigen Mastbetriebe?
Fleischqualitäten gesichert?
Einigkeit der Akteure?
Starke Führung gewährleistet?
etc.