Grenzüberschreitende Synergien in der Fleischerausbildung

1. Hintergrund und Partner des Projektes

2. Ziele, Zielgruppe und Aktivitäten

3. Geographische Reichweite

4. Finanzierung

 

 

 

 


 

1.Hintergrund des Projektes

 

Beiderseits der Grenzen werden in Aachen und Eupen Auszubildende aus dem Fleischer- und Metzgerhandwerk sowie bei den Fleischfachverkäuferinnen und Fertiggerichtzubereiterinnen unterrichtet und in praktischen Unterweisungen zu qualifizierten Handwerkern ausgebildet. In beiden Regionen sehen sich die Qualifizierungsträger mit aktuellen Entwicklungen konfrontiert, die ein gemeinsames Vorgehen erforderlich machen. Daher haben die Handwerkskammer Aachen und das ZAWM Eupen gemeinsam die Initiative zu diesem Projekt ergriffen.

 

1.1Europäische Bestimmungen im Bereich Nahrungsmittelhygiene (H.A.C.C.P-Normen)

 

Im Zuge der Diskussion über den Gesundheitsschutz der Verbraucher wurden auf europäischer Ebene Richtlinien im Bereich Nahrungsmittelhygiene (sog. H.A.C.C.P-Normen) erlassen, die in die nationalen Gesetzgebungen der EU-Mitgliedstaaten übernommen wurden. Die Anwendung der H.A.C.C.P.-Prinzipien sowie des Hygiene- und Sicherheitsverfahrens werden zur Auflage für Unternehmen. Auch die Ausbildungszentren und Berufsschulen müssen sich fortan genauestens an die H.A.C.C.P-Normen halten, wenn sie nicht entweder in eine lasche Handhabung oder in verspätete und unbegründete Maßnahen verfallen wollen.

 

Um dies gewährleisten zu können, ist nicht nur eine Anpassung der Ausbildungsprogramme, sondern auch und vor allem eine Anpassung der infrastrukturellen Voraussetzungen in den Qualifizierungszentren erforderlich.

 

Da er den Anforderungen nicht mehr genügt, wird in Aachen zum Jahr 2006 der Schlachthof geschlossen, in dem derzeit die überbetriebliche Ausbildung abgehalten wird. Für die Aachener Betriebe und deren Auszubildende bedeutet dies, dass sie diesen Ausbildungsteil in der Region nicht mehr besuchen können und lange Reisen in Kauf nehmen müssen. In Deutschland wäre der nächstmögliche Standort in Münster.

 

 

1.2 Entwicklung der Schülerzahlen

 

In der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien sind derzeit 18 Auszubildende (m / w) in den Berufen Metzger bzw. Fertiggerichtzubereiter eingetragen. In den betroffenen Innungsbezirken (s.u.) der Handwerkskammer Aachen sind es etwa 120. Für die Regio Aachen sind dies zu wenige Auszubildende, um ohne Partner die notwendigen Investitionen zu rechtfertigen.

 

Gleichzeitig werden nach Angaben der Handwerkskammer in Aachen und des Arbeitsamtes in Eupen regelmäßig sowohl Metzger als auch Fachverkäuferinnen insbesondere in den Kaufhäusern mit entsprechender Abteilung gesucht. Aber auch die Fleischerfachbetriebe suchen teilweise vergeblich qualifiziertes Personal. Aufgrund großer Anstrengungen der Branche sind in den letzten beiden Jahren leicht steigende Zahlen bei den Ausbildungsverträgen zu erkennen.

 

Durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit werden die Arbeitskräfte leichter grenzüberschreitend vermittelbar. Ihre Stellenaussichten auf dem Arbeitsmarkt werden sich so merklich erhöhen. Die Konzentration der Ausbildung an einem einzigen Standort erlaubt zudem eine Bündelung des Ressourceneinsatzes und eine optimale Auslastung der vorhandenen Infrastruktur und Angebote.

 

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2. Ziele, Zielgruppe und Aktivitäten des Projektes

 

Das Projekt zielt darauf ab, nationale Grenzen durch die Schaffung eines gemeinsamen Ausbildungsstandortes und die Entwicklung einer gemeinsamen überbetrieblichen Ausbildung zu überwinden.

 

Operationelle Ziele und geplante Aktivitäten sind:

 

a)die Schaffung eines gemeinsamen Standortes für die überbetriebliche Ausbildung

 

Die vorhandene Infrastruktur im ZAWM Eupen soll als gemeinsame Ausbildungsinfrastruktur nutzbar gemacht werden. Dies erlaubt es, einen Ausbildungsstandort in der Region zu erhalten. Durch die Schaffung eines gemeinsamen Ausbildungsstandortes werden zudem die infrastrukturellen Voraussetzungen für gemeinsame Aus- und Weiterbildungen geschaffen.

 

Konkret vorgesehen ist der Umbau und die Erweiterung der Metzgerabteilung des ZAWM Eupen und die Anpassung der Einrichtung an die europäischen Hygienenormen. Dazu wird eine grenzüberschreitende Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Bedürfnisse grenzüberschreitend aufeinander abstimmt.

 

 

b) die Entwicklung und die pilotmäßige Erprobung einer gemeinsamen überbetrieblichen Ausbildung

 

Durch die Entwicklung und die pilotmäßige Erprobung einer gemeinsamen überbetrieblichen Ausbildung werden nationale Unterschiede in den bestehenden Ausbildungen abgebaut, die Transparenz gefördert und somit die berufliche Mobilität der Arbeitnehmer erhöht.

 

Bei den überbetrieblichen Ausbildungsgängen schliessen sich die Betriebe zusammen, um gemeinsam Ausbildungsteile, die im einzelnen Betrieb nicht möglich sind, überbetrieblich zu gestalten. Träger dieser Ausbildungsteile sind die Innungen und Berufsverbände, die zur Durchführung der Qualifizierungsmassnahmen die im Rahmen des Projektes geschaffene Infrastruktur nutzen werden. Über das Projekt wird darüber hinaus die Zusammenarbeit zwischen den Betrieben gefördert und ein breiteres Spektrum an Ausbildungsinhalten vermittelt.

 

Rund 120 Teilnehmer werden je eine Woche an der überbetrieblichen Ausbildung teilnehmen.

 

Konkret beinhaltet die im Rahmen des Projektes zu entwickelnde grenzüberschreitende überbetriebliche Ausbildung zum Beispiel folgende Themen:
Neuzeitliche Zerlegetechniken, Wurstherstellung und Pökelverfahren, Be- und Verarbeitung von Fleisch, Warenherstellung und Präsentation unter Berücksichtigung ernährungsphysiologischer Gesichtspunkte

 

Bei diesen bisher beschriebenen Schritten handelt es sich um Kooperation bei der überbetrieblichen Aus- und Weiterbildung, bei der alle Partner für ihr eigenes Prüfungswesen verantwortlich bleiben.

 

Die Kosten für diese überbetrieblichen Ausbildungsgänge sind nicht Inhalt des Projektantrages. Es geht vielmehr um die Schaffung und Erprobung der gemeinsamen Strukturen und Voraussetzungen sowie die Entwicklung gemeinsamer Angebote.

 

c) Mittel- und langfristig: Abstimmung der bestehenden Ausbildungen und Ausdehnung der Zusammenarbeit auf die Weiterbildung der Fleischereibetriebe und Metzgereien (u.a. in Form eines gemeinsamen Meisterkurses)

 

In der Vergangenheit war die Berufsausbildung sehr national geprägt und grenzüberschreitende Zusammenarbeit lange Zeit nur schwer vorstellbar. Neben den sehr unterschiedlichen Systemen spielte dabei sicherlich auch eine Abgrenzung zum Nachbarn und zu anderen Ausbildungseinrichtungen eine prägende Rolle.

Durch die Entwicklung einer gemeinsamen überbetrieblichen Ausbildung werden auch die Unterschiede in der Ausbildung der einzelnen Regionen transparenter. Es ist angestrebt, dass sie im Laufe der Zeit durch den täglichen Austausch sukzessive abgebaut und zu einheitlich hohem Standard geführt werden können. Fernziel ist auch die Schaffung der Grundlagen für die Entwicklung eines gemeinsamen Meisterkurses und eine gemeinsame Zertifizierung von Prüfungsleistungen.

 

Dies ist ein innovativer Schritt in Richtung Bildungsökonomie, von dem die gesamte Region profitieren kann. Nicht nur die Lehrlingsausbildung ist Nutznießer einer solchen Kooperation. Die Projektpartner sind sehr zuversichtlich, dass auch die Betriebe unter Wahrung ihrer eigenen Besonderheiten und Traditionen durch eine solche Zusammenarbeit neue Impulse erhalten werden.

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3.Geographische Reichweite

 

Bei der Vorbereitung des Antrags haben die Projektpartner Kontakt mit Einrichtungen aus der Provinz Lüttich und den Niederlanden aufgenommen. Da der vorliegende Antrag jedoch von einem akuten Handlungsbedarf in Eupen und Aachen (Schaffung bzw. Erhalt einer gemeinsamen Ausbildungsinfrastruktur) ausgeht, sind diese Einrichtungen nicht als direkte Partner in den Antrag eingebunden. Unsere Partnereinrichtung in Lüttich, das Centre de Formation des Classes Moyennes in Lüttich, befasst sich derzeit mit seinem Partnerzentrum in Huy ebenfalls intensiv mit der HACCP und der erforderlichen Einrichtung einer gemeinsamen Ausbildungswerkstatt in Huy. Bei den Planungsarbeiten wurde ein Erfahrungsaustausch vereinbart. Insbesondere über die Erfahrungen mit den überbetrieblichen Ausbildungsgängen, die es bisher so in Belgien nicht gibt, werden die Projektverantwortlichen ihre Kollegen regelmäßig über den Stand der Entwicklungen informieren. In niederländisch Limburg wurde mit dem Arcus-College in Heerlen über die Planungen gesprochen. Wir erfuhren, dass die Fleischerausbildung für den praktischen Unterricht aus ganz Limburg nach Helmond bei Eindhoven fahren müssen. In der Provinz Limburg scheint es ebenfalls keinen Standort mehr zu geben.

Da auch hier die Auszubildenden aus ähnlichen Gründen bereits heute die Region verlassen müssen, wäre ein Austausch mit Interessenten auf Limburger Seite auch für uns interessant.

 

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4. Finanzierung

Kofinanziert wird das Projekt mit Mitteln aus der Europäischen Union im Rahmen des Interreg III-Projektes in der Euregio Maas-Rhein, der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien sowie dem Land Nordrhein-Westfalen.