Geschichtliches

Die Entwicklung der Berufsausbildung in Eupen

Berufsausbildung hat in Eupen eine lange Tradition. Bereits 1843 wurde „zur Förderung eines leistungsfähigen Handwerks“ eine Privat-Sonntags- Handwerkerschule ins Leben gerufen, die in den folgenden Jahrzehnten immer weiter ausgebaut wurde.

Die Namen führender Eupener Kaufleute und Industrieller sind mit dieser Entwicklung verbunden. So haben verschiedene Eupener Patrizierfamilien mit ihren finanziellen Beiträgen die Gründung und Führung dieser Schule ermöglicht, weil sie sich bereits damals der Bedeutung der Ausbildung ihrer Mitarbeiter für den Erfolg ihrer Betriebe im In- und Ausland bewusst waren. Eine herausragende Rolle für die Ausbildung der Handwerkergesellen spielte gerade in Eupen auch der katholische Kolpingverein.

Ab 1907 wurde der Besuch der Handwerker-Fortbildungsschule zur Pflicht gemacht. Damals waren rund 140 Schüler eingetragen.

Lehrlingsausbildung

1945 wurde die Handwerkerausbildung unter der Trägerschaft des Lehrlingssekretariates neu aufgebaut. Die Lehrlinge besuchten mehrmals in der Woche abends Kurse im Scheiblerhaus bzw. französischsprachige Kurse im Inland. Da die Zahl der Lehrlinge ständig wuchs und der Bedarf an praxisnahen Kursen an Bedeutung zunahm, wurde 1963 das Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes in Eupen gegründet.

Im Laufe der folgenden Jahre gelang es unter Einsatz zahlreicher Handwerker und Pädagogen, für immer mehr Berufe deutschsprachige Fach-Kurse in eigenen Schulwerkstâtten zu organisieren.

1974, vor 25 Jahren konnten in der damaligen deutschen Kulturgemeinschaft bereits 165 Gesellenbriefe verliehen werden. Diese Zahl stieg in den geburtenstarken Jahrgängen der späten 80er Jahre auf bis zu 325, um sich bei rund 250 pro Jahr einzupendeln. Nicht zuletzt die Schulpflichtverlängerung bis 18 Jahre hat zu diesen Zahlen beigetragen.


Meisterausbildung

Parallel dazu entstanden in den letzten 25 Jahren immer mehr Meisterkurse, die sich neben der fachlichen und technologischen Vertiefung der Kenntnisse vor allem auch die Vorbereitung auf die Führung eines Betriebes zur Aufgabe machen. Heute gibt es in wechselnden Zeitabständen Meisterkurse in rund dreißig verschiedenen Berufen. Und das Bild wandelt sich ständig.


Ausbildung im Wandel

Manche Kurse, die früher regelmäßig angeboten wurden, sind heute nicht mehr gefragt, weil sich die Tätigkeit völlig verändert hat. Dazu gehören beispielsweise die Näherinnen und Schneider, aber auch die Textilreiniger.

Andere Berufe sind in diesen Jahren neu entstanden, weil sich die Tätigkeiten aus dem technologischen Fortschritt entwickelten: dazu gehört z.B. der Computertechniker, der LKW-Mechaniker, der Techniker für Pneumatik/Hydraulik, der Fremdenführer, der Energie- und Umwelttechniker und, als letzter neuer Ausbildungsgang, der Medientechniker.

Doch auch in den bestehenden Kursen hat sich sehr vieles verändert. Charakteristisch für die Berufsausbildung – wie für die Berufsausübung – des ausgehenden Jahrtausends ist die hohe Innovationsgeschwindigkeit. Ständig neue technische Entwicklungen erfordern von den Berufstätigen eine regelmäßige Anpassung, eine ständige Weiterbildung, Offenheit für neue Produkte, Arbeitsvorgänge und Tätigkeitsbereiche.

Viel mehr als heute bedeutete vor 25 Jahren ein "Hand-Werk" auszuüben hauptsächlich "Hand-Arbeit". Computer, Automatisierung, Programmierung von Steuerungen waren zu der Zeit allenfalls Begriffe, die in Forschungslabors der Universitäten und in industriellen Anlagen Einzug gehalten hatten. Weder in der Haustechnik, noch beim KFZ oder bei den Verarbeitungsmaschinen in den Holz- oder Zerspanungsbetrieben wurden vom Handwerker intensive Kenntnisse der Elektronik bzw. der Programmierung erwartet. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Kaufmännischen (Büro-)Berufe.
 
Die letzten 25 Jahre haben ganze Berufsbilder revolutioniert und die Ausbildungseinrichtungen entsprechend herausgefordert, mitzuhalten und möglichst sogar einen Schritt voraus zu sein.

Thomas Pankert
Direktor



Thomas Pankert, Direktor des ZAWM, beging im Oktober 2011 sein 25-jähriges Dienstjubiläum.

Zum Festakt im Foyer des BRF wurden reichlich Hände geschüttelt und Dankesworte gesprochen.



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